Der Begriff Content-Flut, bzw. Content Shock im englischsprachigen Raum, taucht regelmäßig in einschlägigen Branchen-Diskussionen auf. Es wird dabei heftig debattiert, ob es dieses Phänomen überhaupt gibt und falls ja, ob es tatsächlich ein Problem darstellt. Gleichzeitig äußern sich auch immer mehr private AnwenderInnen kritisch zur steigenden Zahl der Online-Inhalte. Diese seien zu werblich, unnütz oder einfach nur langweilig.

Steigen wir für einen Moment vom gedanklichen Gaspedal. Der Content Shock ist im Grunde ein alter Hut: Wer soll das alles lesen? Wir werden von Inhalten überflutet! Wo bleibt die Qualität der publizierten Inhalte? Content ist nicht gleich Content… Wir kennen all diese Fragen. Bereits bei der Erfindung des Buchdrucks und der steigenden Zahl an Printwerken, wurden dieselben Fragen in den Raum gestellt. Trotzdem wurden wir von Büchern nicht erschlagen.

Nach einer gewissen Anpassungsphase haben wir uns an den konstant hohen Buch-Bestand gewöhnt und niemand verlangt von anderen oder sich selbst, jedes publizierte Werk auch tatsächlich gelesen zu haben. Bei Online-Texten sind wir jedoch noch nicht soweit. Hier müssen wir erst lernen, mit der Masse der Inhalten qualitativ und rational umzugehen, sie zu sortieren und nach Relevanz zu gewichten. Entwicklung braucht ihre Zeit. Schauen wir uns dennoch die derzeitige Situation etwas genauer an.

 

Erhöhter Druck im Content Marketing

influencer-netzwerkeGerade im Arbeitsbereich des Content Marketing nimmt die Menge und Qualität von Online-Inhalten eine wichtige Rolle ein. Studien zeigen regelmäßig, dass eine der größten Herausforderungen für Content Marketer die Herstellung von hochwertigen Inhalten ist.

Es stimmt, das Erstellen von Content, der für die Zielgruppe tatsächlich nützlich ist, erfordert Zeit und Geld. Gleichzeitig muss mit Ressourcen schonend umgegangen werden – die Budgets werden regelmäßig gekürzt bzw. hinterfragt und evaluiert. Das erhöht den Druck und lässt einen noch genaueren und kritischeren Blick auf die Effekte der gesetzten Maßnahmen zu. Wurden realistische KPIs definiert und wurden diese erreicht? Wie rechtfertige ich als MarketerIn mein Vorgehen, wenn das nicht der Fall ist? Wie können wir unsere Ziele besser erreichen?

Eine andere Herausforderung ist, die Zielgruppe tatsächlich zu erreichen und diese zu einer Interaktion zu animieren. Interaktion heißt dabei zumindest eine Reaktion auf die veröffentlichten Inhalte zu erhalten, besser noch ein Teilen bzw. eine Empfehlung zu generieren. Um Interaktion zu erreichen, müssen Marketer daher ihr ganzes Know-how an den Tag legen und auf Seeding setzen.

 

Social Sharing am absteigenden Ast

Social-Sharing-Raten zählen in Bezug auf Kommunikationsziele zu den relevantesten Kennzahlen. Das ist verständlich. Ihre Erhöhung ist ein häufig erklärtes Ziel. Es scheint jedoch, dass sich steigende Content-Zahlen negativ auf Sharing-Raten auswirken (können).

“50% des Contents bekommen 8 oder weniger Shares”, lautet das vernichtende Urteil in einem Blogpost von Buzzsumo. Liegt es lediglich daran, dass die Content-Produzenten von Buzzsumo schlechte Inhalte erstellen? Nein. Der Abfall von Social-Sharing-Raten zeigt sich nicht nur bei Buzzsumo, sondern auch bei Moz, Buffer und Copyblogger  – allesamt starke Content-Seiten, deren Qualität niemand in der Branche tatsächlich anzweifelt. Woran liegt es also? LESETIPP: Wie ihr Content zum viralen Hit wird

Die Erkenntnis: In der Zeit der Content-Flut ist die Produktion von hochwertigen Inhalten allein nicht mehr genug!

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, sind mehrere ineinandergreifende Maßnahmen notwendig. Das bedeutet natürlich einen noch höheren Bedarf an noch besser ausgebildeten Content-Marketern.

 

Social-Sharing-Optimierung

Welche Möglichkeite stehen MarketerInnenn und KommunikatorInnenen zur Verfügung, damit Social-Sharing-Raten dennoch nicht ins Bodenlose fallen? Hier finden Sie unsere Lösungsansätze.

 

Hochwertiger, langlebiger Content

Niedrige Sharing-Raten liegen nicht (ausschließlich) an der Qualität der Inhalte. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Qualität unserer Inhalte irrelevant ist. Im Gegenteil, hervorragender Evergreen-Content wird über längere Zeit hinweg auf viel Resonanz stoßen und somit häufig geteilt werden. Bei der Produktion von Inhalten zu sparen, macht daher keinen Sinn.

 

Keine minderwertigen Inhalte & zielführendes SEO

An der Content-Flut werden wir wenig ändern können. Wir können jedoch als Marketer insofern mit gutem Beispiel vorangehen und wirklich nur hochwertige Inhalte veröffentlichen. Niemanden nutzen semi-qualitative Textwüsten und Content, den niemand sucht. Apropos suchen: SEO ist und bleibt immer noch ein wichtiger Faktor im Content Marketing, ganz besonders, wenn man sich auf reale Suchanfragen seiner Zielgruppe fokussiert.

 

Bessere Promotion

Content Recommendation NetworkAus persönlichen Erfahrungen wissen wir, dass uns gute Inhalte oftmals nicht erreichen, weil unsere Informationskanäle einfach zu gedrängt sind: angefangen bei den E-Mail-Inboxen bis hin zu unseren Newsfeeds. Hätten wir diese Inhate gesehen, hätten wir sie wahrscheinlich auch geteilt. Die Schlussfolgerung daraus ist, mehr Energie und Zeit in die Promotion unserer Inhalte fließen zu lassen.

Zentrale Punkte sind hier eine passgenaue Zielgruppen-Analyse, also die Frage nach den tatsächlich interessierten LeserInnen, ein effektives Targeting der Personas in den adäquaten Kommunikationskanälen und nicht zuletzt eine ausformulierte Promotion-Strategie.

Inhalte öfter, wenn auch in anderer Form, zu teilen macht Sinn und bringt Ergebnisse. Bei stark frequentierten Netzwerken, wie Facebook, können auch kleiner Werbebudgets einen entscheidenden Unterschied machen. Besonders bei Marken und Unternehmen, die noch niedrige organische Reichweiten haben, können zum Beispiel “sponsored posts” oder “sponsored Shares via LINKILIKE” den ersehnten Durchbruch bringen.

 

Schärferer Blick

Es ist nicht immer leicht innerhalb seiner “Informationsblase” einen scharfen und objektiven Blick zu wahren, aber genau dieser ist notwendig, wenn man mit der rasanten und konstanten Entwicklung des Social Web mithalten will. Einerseits müssen wir als MarketerInnen heiße Themen, sogenannte Trending Topics, im Auge behalten und bei Bedarf darauf reagieren. Andererseits müssen wir auch Monitoring-Werte und Evaluationsdaten viel mehr Beachtung schenken, als wir das bisher getan haben.

Es stimmt, viele haben Analytics-Tools im Einsatz, aber wie viele von uns nutzen die Ergebnisse dieser Anwendungen regelmäßig für die Optimierung ihrer täglichen Arbeit? Wer von uns kennt seine KPIs genau? Wie viele von uns setzen z.B. auf gezielte Tests im Content-Bereich?

Monitoring und Analytics müssen heute noch mehr in den täglichen Arbeitskreislauf integriert werden, denn nur so können wir zeitnah auf Entwicklungen reagieren. Social Shares liegen dort, wo unsere Zielgruppe ist, daher sollten wir auch nicht den Shares hinterherlaufen, sondern uns auf die Menschen konzentrieren.

 

Fazit

Wir können den Content Shock als Schreckgespenst unserer Zeit sehen – oder eben auch nicht. Tatsache ist aber, dass sich die steigende Anzahl der Online-Inhalte negativ auf Social-Sharing-Raten auswirkt, ganz einfach dadurch, dass Content schwerer zu seiner Zielgruppe durchdringt. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten diesem Trend entgegenzuwirken. Die besten Ergebnisse erzielen MarketerInnen aber, wenn sie an mehreren Schrauben gleichzeitig drehen. Die Arbeit im Content Marketing wird immer umfassender und anspruchsvoller. Content Marketing muss erwachsen werden und niedrige Social-Sharing-Raten sind nur ein Indiz dafür.

content sharing