Influencer sind fast überall ein fixer Bestandteil des Online Marketings geworden. Auch wenn Influencer Marketing mittlerweile nicht mehr aus dem Marketing Mix wegzudenken ist, stehen Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen.

Wir haben aus diesem Grund die häufigsten Probleme des Influencer Marketings zusammengefasst und geben Lösungsvorschläge.

 

Fake Follower

An erster Stelle der Probleme des Influencer Marketings steht ganz klar das Thema Fake Follower.
Eine möglichst hohe Followerzahl bzw. eine damit verbundene, vermutete Reichweite, ist immer noch ein gängiges Kriterium bei der Auswahl von Influencern.
Personen und Agenturen, die sich auf Influencer Marketing spezialisiert haben und in diesem Bereich tätig sind, wissen, dass eine gute Engagementrate (und damit verbunden eine hohe Reichweite) nicht automatisch mit einer hohen Followeranzahl einhergeht.
Um von Unternehmen in deren Selektionsprozess besser wahrgenommen zu werden und den eigenen Preis zu rechtfertigen oder gar in die Höhe zu treiben, greifen manche Influencer aber immer noch in die Trickkiste und kaufen sich Follower. Doch diese gekauften Follower bringen dem werbenden Unternehmen keine relevante Reichweite. Sie sind in den allermeisten Fällen nicht Teil der gewünschten Zielgruppe, oft kommen sie nicht einmal aus dem Zielland.

Fake Follower entlarven

Auf den ersten Blick sind gekaufte Follower oft nicht gleich zu erkennen. Da über sie keine relevante Reichweite generiert wird, empfiehlt sich immer, einen genauerer Blick auf die Influencerprofile zu werfen und sich nicht durch eine hohe Followerzahl blenden zu lassen. Hier helfen Tools, mit denen Social Media Kanäle von Influencern überprüft werden können. Diese zeichnen zum Beispiel das Wachstum der Followerzahl auf. Gibt es hier einen stark erkennbaren Ausschlag, deutet dies meist auf den Zukauf von Followern hin. Auch die Engagementrate im Vergleich zur Followerzahl verrät oft einiges über die Echtheit von Followern. Ist das Engagement eher niedrig, deutet dies auf Fake Follower hin, die nur dem Account folgen, sonst aber kein Interesse am Influencer und seinen Beträgen zeigen.

Fake Engagement durch Instagram Pods

Der Instagram Algorithmus bewertet Beiträge nach Relevanz – Beiträge, denen mehr Relevanz zugeschrieben wird, werden den Followern als erstes angezeigt. Aber nicht nur das – Beiträge, die mit sehr wenig Relevanz bewertet werden, werden zum Teil nicht einmal den Followern im Feed angezeigt.
Ein Faktor, durch den der Algorithmus einem Beitrag Relevanz zuschreibt, ist das Engagement, vor allem in den ersten 5 Minuten nach der Veröffentlichung. Aus diesem Grund haben sich Influencer zu sogenannten Instagram Pods zusammengeschlossen, die dieses Engagement erhöhen sollen. Diese Pods funktionieren folgendermaßen: Mehrere Influencer schließen sich in einer Gruppe zusammen (entweder über direkt auf Instagram über Gruppenchats, oder aber auch auf anderen sozialen Netzwerken, z.B. über eine Facebook Gruppe, etc.), um sich gegenseitig zu unterstützen – veröffentlicht ein Influencer einen neuen Beitrag auf Instagram, postet er den Link dazu sofort in diesen Instagram Pod. Alle Mitglieder liken und kommentieren diesen Beitrag nun anschließend so schnell wie möglich, um ein möglichst hohes Engagement innerhalb der ersten 5 Minuten zu erreichen.
Auch bei diesem Vorgehen handelt es sich auf gewisse Art und Weise um eine Täuschung, weswegen auch Instagram selbst direkt gegen solche Pods und ihre Mitglieder vorgeht (Quelle: https://socialmediadozent.com/instagram-pods/).
Mitglieder diverser Pods berichteten außerdem, dass die Mitglieder täglich eine Vielzahl an Postings liken und kommentieren „mussten“, was sich natürlich auch in der Qualität der Kommentare wiederspiegelt.

Keine Fake Follower mit Everyday Influencern

Eine weitere Möglichkeit Fake Follower zu meiden ist die Zusammenarbeit mit Everyday Influencern. Da es sich bei ihnen um Privatpersonen handelt, die über ihre persönlichen Social Media Kanäle Beiträge verbreiten, besteht hier eine deutlich geringere Gefahr, dass sie Follower kaufen, um auf Unternehmen attraktiver zu wirken.

Auch das Engagement auf Postings von Everyday Influencern ist im Verhältnis zur Follower- bzw. Freundeanzahl vergleichsweise höher als bei Influencern mit sehr viel mehr Followern. Der Grund dafür ist, dass es sich bei ihren Followern um Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder handelt, die einen persönlichen Bezug zum Influencer haben.

 

Der Abstieg der organischen Reichweite

Ein weiteres Problem im Influencer Marketing stellt die organische Reichweite auf verschiedenen Social Media Plattformen dar.
Es ist weitgehend bekannt, dass Plattformen wie Google und Facebook/Instagram immer wieder den Algorithmus anpassen, welcher darüber entscheidet, welche Beiträge Personen in ihrem persönlichen Newsfeed angezeigt bekommen. Entscheidend dafür, welche Beiträge ganz oben angezeigt werden und welche weiter unten verschwinden und damit eher selten gesehen werden, ist die Interaktion mit dem jeweiligen Social Media Channel – jene Accounts, von denen man sich Bilder oder Stories häufig ansieht, Beiträge liked oder sogar kommentiert, werden als relevanter eingestuft und somit ganz oben angezeigt. Gerade bei Facebook Pages und Instagram Profilen wurde so die organische Reichweite in den vergangenen Jahren sehr stark eingeschränkt. Davon betroffen sind natürlich auch Influencerpages.

Ist gekauft immer schlecht?

Allein über die organische Reichweite seine Follower zu erreichen, ist für Influencer sehr schwierig geworden. Eine Maßnahme, die daher immer mehr an Bedeutung gewinnt und die viele Follower auch schon standardmäßig für sponsored Postings anbieten, ist der Boost des Postings mittels Werbeanzeigen. Der ein oder andere mag nun vielleicht denken, dass zwischen bezahlten Werbeanzeigen und gekauften Followern kein Unterschied besteht, da beide Vorgehen incentiviert sind. Tatsächlich sind diese beiden Vorgehen nicht vergleichbar. Denn der Unterschied bei einem Boost des Postings ist, dass die Reichweite unter den eigenen Followern des Influencers damit deutlich gesteigert werden kann. Trotzdem bleibt die Reichweite äußerst relevant – es sind ja nach wie vor nur die eigenen Follower.
Zusätzlich könnten, wenn dies gewünscht ist, Personen außerhalb der eigenen Followerschaft durch einen Push des Postings erreicht werden. Hierbei ist das gesponserte Posting als Werbung klar erkennbar, weil es automatisch als „sponsored“, „bezahlt“ oder „Werbung“ gekennzeichnet wird.
Der Vorteil von Werbeanzeigen ist, dass sie beispielsweise bei Facebook immer wieder auch relativ weit oben im News-Feed von Nutzern angezeigt werden – auch wenn diese dem Influencer nicht folgen, thematisch, aufgrund ihrer Interessen jedoch in die Zielgruppe passen würden. Auf diese Weise erreicht ein Post natürlich um ein Vielfaches mehr Reichweite.

Glaubwürdigkeit und Authentizität – Ein Problem des Influencer Marketings?

Ein Anteil der Postings, welche Influencer erstellen sind gesponserte Posts, für die sie entweder von einem Unternehmen bezahlt wurden oder wofür sie Produkte kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen haben. Dieser Teil ist im Steigen begriffen und untergräbt die Authentizität der jeweiligen Influencer.
Es ist natürlich völlig legitim, dass Influencer mit dem Empfehlen von Marken oder Produkten ihr Geld verdienen. Wichtig ist nur, dass diese Posts als Werbung gekennzeichnet sind und nicht überhandnehmen. Ansonsten verliert der Influencer an Glaubwürdigkeit. Influencer sollten unbedingt darauf achten, dass auf dem Blog, in dem YouTube Channel, Instagram-Account oder der Facebook-Page immer authentische und nicht gesponserte Beiträge finden lassen. Influencer entwickeln sich durch diese Vorgangsweise sonst zu Linkschleudern und verlieren über kurz oder lang nicht nur ihre Glaubwürdigkeit, sondern auch ihre Follower.

Achten Sie bei der Auswahl der Influencer ganz genau darauf, ob sie zu Ihrem Produkt passen. Zudem sollten Sie auch hinterfragen, wie Ihr Produkt dargestellt bzw. zum Content des Blogs passend präsentiert werden soll. Arbeiten Sie daher eng mit dem Influencer zusammen, erklären Sie am besten, welchen Rahmen Sie sich für die Kampagne wünschen und klären Sie ab, was Sie überhaupt nicht haben möchten. Zu strikte Vorgaben sind allerdings auch nicht von Vorteil, denn der Influencer kennt seine eigenen Follower am besten und weiß meist ganz genau, wie er eine Kampagne kreieren muss, damit seine Follower diese interessant finden.
Auch bei der Zusammenarbeit mit Everyday Influencern ist es wichtig, dass für eine Kampagne gezielt jene ausgewählt werden, die durch ihre Interessen und Vorlieben zu den Inhalten passen. Nur so können sie den Inhalt glaubwürdig gestalten und Authentizität schaffen.