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Was Sie über österreichische BloggerInnen wissen sollten

BloggerInnen werden heute gerne als neue Influencer gehandelt und sehen sich auch zunehmend selbst so. Es stimmt, das Social Web kennt keine klassischen Gatekeeper, Meinungsbildung erfolgt durch etablierte Mitglieder der Gemeinschaft – zu denen BloggerInnen eindeutig dazugehören.

Wie sieht aber die österreichische Bloggerszene aus? Wie stehen wir im Vergleich zu Deutschland da? Ist die österreichische Digitalszene blogtechnisch gesättigt oder gibt es noch Luft nach oben? Und welche Rolle spielen BloggerInnen nun tatsächlich? Sind sie die “neuen Journalisten”?

Freund oder Feind? Blogger und Journalisten

Eines vorweg: Das Verhältnis von Bloggern und Journalisten ist gespalten oder wird zumindest so dargestellt. Die einen wollen nicht mit den anderen in denselben Topf geworfen werden, obwohl es durchaus Personen gibt, die sowohl den einen als auch den anderen Beruf professionell ausleben. Aber, Ausnahmen bestätigen bekannter Weise die Regel. Hier ein interessanter Beitrag dazu.

Wenn man die gesamte Thematik jedoch objektiv betrachtet, dann ergibt sich nur in den seltensten Fällen ein stichhaltiger Grund für Ressentiments jeglicher Art. Ja, Blogger und Journalisten sind zwei unterschiedliche Spezien digitaler Kommunikatoren, wobei Journalisten natürlich nicht auf das Medium Internet beschränkt sind. Allein hier ist bereits ein erster fundamentaler Unterschied ersichtlicht. Dass Printzeitungen allerdings mit fallenden Leserzahlen kämpfen, dafür können die BloggerInnen nichts – zumindest ist es kein direktes Verschulden. Wenn ZeitungsleserInnen direkt zur Blogosphere wechseln, dann kann das an drei Gründen liegen:

  1. Das Blog-Lesen ist gratis.
  2. Der Blog bietet relevantere Inhalte und Themen, als Printmedien oder bereitet diese besser auf.
  3. Der Blog berichtet anders, oft auch persönlicher, als Printmedien.

Aus meiner eigenen Erfahrung ist es immer eine Kombination von diese drei Faktoren, die das Schwinden der Print-Leserzahlen begründen (können). Nicht selten, kommen aber noch weitere, sehr individuelle, Faktoren hinzu. Alles in allem, sehe ich BloggerInnen und JournalistInnen nicht als Konkurrenz, sondern als zwei grundlegend verschiedene Gruppen von Content-Erstellern

BloggerInnen im Allgemeinen – gibt es die überhaupt?

Zurück zu den BloggerInnen.

Der Versuch die Zahl der aktiven BloggerInnen zu erfassen und sie zu kategorisieren, ob nun österreichweit, europaweit oder international, gleich einer Zählung von Sandkörnern am Meer. Es sind unüberschaubar viele – so viel steht fest. Alleine auf Tumblr waren im April 2014 weltweit 182,5 Millionen Blogs erfasst (Tumblr, 2014) und das ist bei weitem nicht die einzige Möglichkeit sich blogtechnisch zu betätigen. Ganz allgemein gesprochen, lassen sich mehrere Arten von Blogs unterschieden: personenbezogene Privat-Blogs (eine Art digitales Tagebuch), Themenblogs, Corporate Blogs, sowie Mischformen und formatspezifische Blogs, wie Videoblogs, Fotoblogs usw.

Das erste Fazit, das ich daher ziehen kann ist, dass die Bloggerlandschaft grundsätzlich sehr vielschichtig ist und dass kein Blogprojekt dem anderen gleicht. Eventuell ließen sich Coporate Blogs untereinander vergleichen, aber selbst hier würde ich bei verallgemeinernden Aussagen vorsichtig sein, da zumeist ein Blick auf die Unternehmens- und Kommunikationsziele nicht möglich ist.

Das Bloggerland Österreich

Österreich hat nicht selten den Ruf, aktuellen Trends etwas hinterher zu hinken. Ist das beim Bloggen auch so? Verlässliche Statistiken gibt es so gut wie keine, also arbeite ich mit den mir zur Verfügung stehenden Daten. So sind z.B. auf blogheim.at – der Heimat der österreichischen Blogger – derzeit 1.137 Blogs registriert.

Im August diesen Jahres gingen die Resultate einer interessanten Umfrage live, bei der 459 österreichische BloggerInnen teilgenommen hatten. Die Studienergebnisse sind nicht repräsentativ, aber auf alle Fälle interessant und bieten den derzeit einzigen Einblick in die österreichische Bloggerlandschaft. (An dieser Stelle ein herzliches Dank an Tom Schaffer und Petra Köstinger, die diese Studie umgesetzt haben.)

 

 

Ein Punkt, der leider bei dieser Erhebung nicht berücksichtigt wurde (werden konnte) sind die Coporate Blogs in Österreich. Welche Unternehmen setzen bei ihrer digitalen Kommunikationsstrategie auf Blogs und Content Marketing?

Da ich hier leider keine Studien zu diesem Thema finden konnte, biete ich als Alternative eine Studie des DMVÖ in Zusammenarbeit mit Marketagent zur Lage des Content Marketing in Österreich an. Content Marketing ist zwar nicht mit Corporate Blogging gleichzusetzen, aber gewisse Parallelen bestehen und die Ergebnisse selbst sind überaus interessant.

Das Bloggerland Deutschland

In Deutschland sieht die Bloggerlandschaft bereits um einiges anders aus – oder auch nicht: bunter, vielfältiger, relevanter – im internationalen Vergleich aber immer noch unscheinbar. Ähnlich, wie in Österreich, gibt es keine verlässlichen Zahlen bezüglich der von Deutschland aus betriebenen Blogs. Dennoch habe ich auch hier eine interessante Studie (2104, n=403) gefunden.

Hier einige exemplarische Daten zu den deutschen Blogger-KollegInnen: Die meisten BloggerInnen (71,5 Prozent) schreiben mehr als nur ein Blog, im Durchschnitt sind es drei, auf denen 63% der Befragten mindestens einmal wöchentlich neue Beiträge veröffentlichen. Fast drei Viertel der ThemenbloggerInnen (74,2 Prozent) können durch die Bloggertätigkeit Einnahmen erzielen, im Durchschnitt etwas mehr als  500 Euro pro Monat. Nur 11,9 Prozent der BloggerInnen haben Gewinne von 1.000 Euro oder mehr. Reich werden also auch die deutschen BloggerInnen nicht.

Die oben erwähnte Studie kommt zum Schluss, dass sich die BetreiberInnen deutscher Themenblogs an den Standards des Qualitätsjournalismus orientieren. Die Vermittlung relevanter Informationen ist ihnen sehr wichtig:

“Sie wollen Sachverhalte beobachten, erklären und interpretieren, das Publikum möglichst neutral informieren und die Diskussion über (ihnen) wichtige Themen anregen. Darüber hinaus möchten sie neue Trends und Ideen vermitteln, dazu eigene Ansichten präsentieren und ihren Lesern als Ratgeber dienen.” (Quelle: fachjournalist.de)

Gibt es ein BloggerInnen-Fazit?

Wenn wir ehrlich sind, dann nein. Die Gruppe der BloggerInnen ist erstens sehr heterogen (bezüglich Themen, Relevanz, Beweggründen) und zweitens ist die bestehende Datenlage so dünn, dass allgemeine Aussagen nicht haltbar sind. Es gibt nur wenige BloggerInnen, die gesellschaftspolitische Relevanz aufweisen (wie z.B. netzpolitik.org und die Anschuldigung auf Landesverrat) oder eine breite Massenwirkung haben (wie z.B. der österreichische Satire-Blog Die Tagespresse).

Blogs spielen jedoch in Fachnischen (wie Marketing oder SEO) oder aber im Lifestyle-Bereich eine zunehmend relevante Rolle. Fashionblogs und Foodblogs zählen mit Sicherheit zu den am stärksten besuchten Online-Portalen, jedoch scheint die Fluktation in diesen Bereichen ebenfalls stark zu sein und nur wenige Bogs bleiben über längere Zeit als Meinungsbildner bestehen, wohingegen sich Fachblogs und Corporate Blogs erst über Jahre hinweg ihre Autorität aufbauen müssen.

Wenn ich also ein Fazit ziehen müsste, so wäre es Folgendes: Das Bloggen, als Teil der digitalen gesellschaftlichen Kommunikation, befindet sich immer noch in seinen Anfängen. Es hat zwar sein Nischendasein hinter sich gelassen, scheint aber seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht zu haben. Die Bloggerszene wird sich in der zunehmend digitalisierten Gesellschaft als Norm etablieren, wann und in welcher Form, steht jedoch noch lange nicht fest. Fix scheint mir aber, dass BloggerInnen weder morgen noch übermorgen verschwinden wird.  

2017-10-09T14:05:57+00:00 23. Februar 2016|Kategorien: Allgemein|Tags: , |

About the Author:

Ivana ist Freelancerin für Online-PR & Content-Marketing, ihre Leidenschaft ist die digitale Kommunikation. Als Beraterin, Bloggerin, Trainerin und Mutter geht sie von einer festen Überzeugung aus: Kommunikation schafft Wirklichkeit!